Reiseinformationen: Schwetzingen

Schwetzingen - der „Musenhof" des 21. Jahrhunderts

Schwetzingen: Schlossgarten Panorama
© Stadtverwaltung Schwetzingen

„Wenn der Kurfürst in Schwetzingen war und ihm sein vortreffliches Orchester dahin folgte, wähnte sich die Hofgesellschaft in eine Zauberinsel versetzt, wo alles klang und sang. Aus dem Badehause ertönte abends die wollüstige Musik, ja aus allen Winkeln und Hütten des kleinen Dorfs hört man die magischen Töne seiner Virtuosen"(Christian Friedrich Daniel Schubart). So etwa äußerten sich die Zeitgenossen des kunstsinnigen Kurfürsten Carl Theodor über das musikalische Leben am Kurpfälzer Musenhof. Sie übertrafen sich in ihren Beschreibungen des kurpfälzischen Versailles mit Superlativen und sprachen nicht selten von einem „Paradies für Tonkünstler"(Friedrich Heinrich Jakobi).

Diese Stimmung übertrug sich auch auf das Dorf Schwetzingen, das das Juwel der
prächtigen Schlossanlage umgab. Die Musiker der damals berühmtesten Hofkapelle Europas kamen alljährlich um den 1. Mai als Teil des Mannheimer Hofstaats in das beschauliche Schwetzingen. Hier nahmen sie Quartier in den Gasthäusern und privaten Herbergen und fanden so zu einer kleinen „Musikerkolonie" zusammen: „Einem jeden, der des Sommers durch die Gassen von Schwetzingen geht, muß es gänzlich von einer Colonie von Musikanten bewohnt zu seyn scheinen, die ihre Profession beständig ausüben; da in einem Hause hört er einen schönen Geiger, dort in einem andern eine Flöte; ein Violonschell oder ein Concert von allerley Instrumenten zugleich..." (Charles Burney).

Diesem Vermächtnis eines Musenhofes verpflichtet, der das Goldenen Zeitalter unter dem kunstsinnigen Kurfürsten Carl Theodor mit prägte, spielen Musik und Kultur auch im modernen Schwetzingen eine bedeutende Rolle. Alljährlich Ende April bis Mitte Juni steht Schwetzingen im Blickpunkt der Musikwelt, wenn die berühmten Schwetzinger Festspiele im Schlosstheater und in den prachtvollen Zirkelsälen des Schwetzinger Schlosses ausgetragen werden. Der SWR2 veranstaltet dieses weltweit größte Hörfunk - Festival für klassische Musik seit 1952 getreu der so genannten Schwetzinger Dramaturgie: "Altes wiederzuentdecken, Neues zu initiieren und dem Nachwuchs eine Chance zu geben".

Neben den Festspielen findet das „Schwetzinger Mozartfest" traditionell große Beachtung. Jährlich an vier Wochenenden im September und Oktober veranstaltet die Mozartgesellschaft Schwetzingen - bereits zum 34. Mal in Folge - die Klassik-Reihe und unterstreicht so musikalisch die Bedeutung Schwetzingens als Mozartstadt.

Schwetzingen scheint auch im 21. Jahrhundert die ehemaligen Kurpfälzer Hauptresidenzstädte Heidelberg und Mannheim magisch anzuziehen. So kommt im Zweijahresrhythmus das Nationaltheater Mannheim mit seinem „Mozartsommer" zur musikalischen Sommerfrische nach Schwetzingen und in der kalten Jahreszeit das Heidelberger Theater mit dem „Barockfest: Winter in Schwetzingen" in die Sommerresidenz, und damit zu den Originalschauplätzen, wo die so genannte Mannheimer(resp. Kurpfälzer) Schule wichtige Erneuerungen in der Aufführungspraxis und stilistische Impulse für die Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts initiierte.

In den letzten Jahren wurde die Lücke zwischen dieser klassischen Hochkultur einerseitsund einem starken Vereinsleben andererseits geschlossen, in dem mit ganzjährigen Konzerten und den „Jazzspielen" der Schwetzinger Jazzinitiative auch anderes musikalisches Terrain zu seinem (Aufführungs)Recht kam. Ergänzend gesellen sich auf dem Bereich der U-Musik im August open air veranstaltete Pop- und Rock-Konzerte hinzu und bieten ebenso reizvolle Alternativen zu den Klassikfestivals.

Den Spagat zwischen U - und E- Musik wird von städtischer Seite auch auf dem Bereich der Nachwuchsförderung Aufmerksamkeit gezollt. Alternierend im August finden die „Internationale Sommerakademie Schwetzingen-Worms" mit Meisterkursen
für hoch begabte Nachwuchsviolinisten und -cellisten und ein „Musical-Workshop"
mit Unterricht in den Sparten Gesang, Tanz und Schauspiel statt. Parallel richtet die Ballettschule Kerber die „Schwetzinger Tanztage" mit Workshops auf allen Gebieten des Tanzes aus.

Überhaupt: das „Theater am Puls" hat vor wenigen Jahren die Gattungen Musical
und Schauspiel nach Schwetzingen gebracht. Recht schnell entwickelte sich aus
dem Experiment „Schillernde Wochen" zum Schillerjahr 2005 einer privaten Schauspieltruppe ein Schwetzinger Ensemble mit eigener Spielstätte. In den Spielzeiten von September bis Juni werden in der der Regel vier Premieren gefeiert, die die Bandbreite klassisches Schauspiel bis hin zu Boulevardtheater, Musical bis hin zu Kinder- und Improtheater abdeckt. Wohingegen Kleinkunst und Comedy in der „Alten Wollfabrik" eine Heimat fanden.

Dass die Kunst die Musik liebt, hat ebenfalls eine lange Tradition in Schwetzingen. Neben den Bereichen Theater und Musik wird auch der Bildenden Kunst genügend Raum gegeben, wie es einer Kulturstadt würdig ist. Zwar werden ganzjährig die Ausstellungsorte bespielt, doch finden die Ausstellungshöhepunkte im Frühling zur Festspielzeit und im Sommer statt. Der „Kunstverein" präsentiert sich inmitten des arkadischen Hesperidengartens, in der lichten Halle der Orangerie mit international bekannten Malern. Das benachbarte „Xylon Museum", das in der ehemaligen Invalidenkaserne beherbergt ist, richtet Ausstellungen auf dem Gebiet der Druckgrafik aus. Wohingegen das städtische Kulturamt im Palais Hirsch (Schlossplatz) Arbeiten namhafter Fotografen zeigt oder die „Künstlerinitiative Schwetzingen" mit interessanten Themenausstellungen den Ausstellungsreigen abrunden. Letztere wartet diesen Sommer mit der Ausstellung „Voltaire" auf, und weist somit künstlerisch auf einen berühmten Gast am Kurpfälzer Hof hin, der hier im Jahre 1758 sogar Teile seine Werkes „Candide" verfasst hat.

Unzählige Zitate umschreiben die arkadischen Zustände des viel besungenen Kurpfälzer Musenhofes, in denen sich die Künste - Gartenkunst, Musik und Bildende Kunst - einen reizvollen Dialog gaben - alle haben sie doch eigentlich Gültigkeit bis heute oder?


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